26.10.2010
Bundeskanzler Werner Faymann zum Nationalfeiertag

Rede anlässlich des Sonderministerrates im Rahmen der Angelobung der Rekruten des österreichischen Bundesheeres

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr verehrte Mitglieder der Bundesregierung,
sehr geehrter Herr stellvertretender Landeshauptmann,

ich darf neben den vielen Ehrengästen erstmals ganz besonders die Vertreter des österreichischen Widerstands, die gegen das NS-Regime gekämpft haben, bei dieser Zeremonie herzlich willkommen heißen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr verehrte Rekruten,
Soldatinnen und Soldaten,
Angehörige und Freunde.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher!

Wir danken den Soldatinnen und Soldaten für ihre Einsätze, die sie schon in der Vergangenheit geleistet haben und die Sie als Rekruten in der Gegenwart für unser Land leisten. Es gibt viele Menschen, die selbst erlebt haben, dass bei Hochwasserkatastrophen und in vielen anderen Fällen erst durch Ihre Hilfe, durch Ihre Taten, Schreckliches verhindert werden konnte. Wir können mit allem Recht sagen: Dieses Land ist stolz auf den Einsatz seiner Soldatinnen und Soldaten!

Wo immer ich in der Welt hinkomme, genießen wir alle großes Ansehen für unsere Auslandseinsätze. Wir sind es, die am Golan am längsten, konsequent und entschieden vor Ort sind. Wir sind in Zypern, Bosnien, Tschad, Kongo, Kosovo tätig gewesen oder tätig, indem wir Rot-Weiß-Rot als Banner des Friedens und der Verständigung tragen. Auch dafür ist dem österreichischen Bundesheer Dank zu sagen.

Es wäre ein Fehler, am heutigen Tag nicht auch hervorzuheben, dass es die Neutralität war und ist, die wir in Österreich als Chance gesehen und ergriffen haben, um über eine glaubwürdige Politik unserem Land im Herzen Europas Respekt und Ansehen in der Staatengemeinschaft zu verschaffen. Es war die Chance, sich in Konflikten auf die Seite der Menschlichkeit zu stellen, die Chance dafür, sich auf die richtige Seite zu stellen. Wer Österreichs Neutralität in Frage stellt, erweist dem Land einen schlechten Dienst.

Das österreichische Bundesheer hat eine Fülle von entscheidenden Aufgaben. Wir verschließen uns nicht einer offenen Diskussion darüber, wie wir diese Aufgaben in Zukunft gestalten wollen, wie das Bundesheer hinsichtlich seiner Aufgaben und Organisationsstrukturen gestaltet werden soll. Und wir werden auch jene Erfahrungen, die andere Länder machen – etwa bei der Umstellung auf ein Berufsheer –, mit einbeziehen. Es darf sich niemand dieser Diskussion verschließen. Es gilt zu analysieren, zu diskutieren, abzuwägen – aber dann auch zu entscheiden.

Die Frage lautet also unter anderem: Wie kann der Katastrophenschutz auch in Zukunft gewährleistet werden? Wie kann das österreichische Bundesheer seine international anerkannte hohe Qualität für die Zukunft wahren und zugleich ausbauen? Welche Erfordernisse der Landesverteidigung sind es, die im 21. Jahrhundert erfüllt werden müssen?

Ich möchte, weil ich sie auch am Beginn besonders begrüßt habe, nochmals – ehrend und beispielhaft – die Widerstandskämpfer hervorheben, die erstmals hier am Heldenplatz im Rahmen dieser Zeremonie bei uns sind. Die Widerstandskämpfer haben einen hohen Preis im Kampf gegen den Nationalsozialismus bezahlen müssen – viele mit dem Tod, viele mit der Internierung in Konzentrationslagern. Sie, deren Verwandte oft von den Nazis ermordet wurden, sollen wissen: Das heutige Österreich schuldet den Toten und den Überlebenden des österreichischen Widerstands Dank und Anerkennung.

Ich bin stolz darauf, liebe Rekruten, Ihnen sagen zu können: Ganz Österreich ist auf Ihre Aufgaben, auf Ihre Leistungen stolz. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute.

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